Wenn alte Überlebensstrategien dich heute blockieren
- Andrea Zimmermann

- 9. Aug. 2025
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 7. März
Viele Menschen, die in einem unsicheren oder narzisstisch geprägten Umfeld aufgewachsen sind, stellen irgendwann fest:
Etwas in ihrem Verhalten wiederholt sich immer wieder.
Sie sagen Ja, obwohl sie Nein meinen.
Sie übernehmen Verantwortung für Dinge, die nicht ihre sind.
Oder sie ziehen sich zurück, obwohl sie sich eigentlich Nähe wünschen.
Oft entsteht dann der Gedanke:
Warum sabotiere ich mich selbst?
Doch was heute wie Selbstboykott wirkt, war ursprünglich etwas anderes.
Eine Überlebensstrategie.
Wie Überlebensstrategien entstehen
Ein Kind ist vollständig abhängig von seiner Umgebung.
Wenn diese Umgebung emotional unsicher ist – etwa durch Kritik, emotionale Kälte oder narzisstische Dynamiken – beginnt das Nervensystem, Wege zu finden, um damit umzugehen.
Es entwickelt Strategien, die helfen, Bindung und Sicherheit zu erhalten.
Zum Beispiel:
sich stark anzupassen
eigene Gefühle zurückzuhalten
immer stark zu wirken
Verantwortung für andere zu übernehmen
sich selbst infrage zu stellen
Diese Strategien entstehen nicht bewusst.
Sie entwickeln sich im Nervensystem – als Reaktion auf eine Umgebung, in der ein Kind lernen musste, sich selbst zurückzustellen.
Was im Nervensystem geschieht
Wenn ein Kind wiederholt erlebt, dass Nähe unsicher ist, reagiert das Nervensystem mit Stress.
Die Amygdala – das Alarmzentrum im Gehirn – wird aktiv. Stresshormone werden ausgeschüttet.
Der Körper versucht dann, eine Strategie zu finden, um die Situation zu stabilisieren.
Zum Beispiel durch Anpassung oder Kontrolle.
Diese Reaktionen können helfen, schwierige Situationen zu überstehen.
Doch gleichzeitig speichert das Nervensystem:
So bleibe ich sicher.
Mit der Zeit laufen diese Muster automatisch ab – auch dann, wenn die ursprüngliche Gefahr längst vorbei ist.
Warum diese Muster heute wie Selbstboykott wirken
Als Erwachsene wünschen sich viele Menschen etwas anderes:
mehr Nähe
mehr Freiheit
mehr Authentizität
Doch genau hier können alte Überlebensstrategien plötzlich im Weg stehen.
Vielleicht bemerkst du:
Du sagst Ja, obwohl du überlastet bist.
Du vermeidest Konflikte, obwohl du eigentlich Grenzen setzen möchtest.
Du arbeitest ständig über deine eigenen Bedürfnisse hinweg.
Das kann sich so anfühlen, als würdest du dich selbst blockieren.
Doch in Wirklichkeit arbeitet dein Nervensystem noch mit einer Strategie, die einmal sinnvoll war.
Der entscheidende Perspektivwechsel
Ein wichtiger Schritt beginnt mit einer neuen Sichtweise.
Nicht: Warum mache ich mich selbst klein?
Sondern:
Welche Strategie hat mein Nervensystem gelernt, um früher sicher zu bleiben?
Viele Verhaltensweisen, die heute wie ein Problem wirken, waren einmal ein Schutz.
Wenn du das erkennst, verändert sich etwas Entscheidendes.
Statt gegen dich selbst zu kämpfen, kannst du beginnen, dein Nervensystem besser zu verstehen.
Wenn neue Erfahrungen möglich werden
Veränderung geschieht nicht durch Druck oder Selbstkritik.
Das Nervensystem verändert sich durch neue Erfahrungen.
Zum Beispiel durch kleine Momente, in denen du bemerkst:
Ich darf heute anders reagieren.
Ich darf Nein sagen.
Ich darf Bedürfnisse haben.
Ich darf mich zeigen.
Mit jeder dieser Erfahrungen lernt dein Nervensystem langsam:
Ich muss nicht mehr überleben. Ich darf leben.
Ein Moment zum Innehalten
Vielleicht erkennst du dich in einigen dieser Erfahrungen wieder.
Viele Überlebensstrategien laufen so automatisch ab, dass wir sie lange kaum bemerken.
Vielleicht möchtest du dich einen Moment fragen:
In welchen Situationen reagiere ich noch aus einem alten Muster heraus?
Wann beginne ich, mich automatisch anzupassen oder zurückzunehmen?
Und wie würde sich dieser Moment anfühlen, wenn ich mir erlauben würde, kurz innezuhalten und eine neue Wahl zu treffen?
Wenn du möchtest, teile deine Gedanken gern unten in den Kommentaren. Viele Leserinnen entdecken gerade hier, dass sie mit ihren Erfahrungen nicht allein sind.
Ein erster Schritt zurück zu dir selbst
Wenn dein Nervensystem lange gelernt hat zu überleben, braucht es vor allem eines:
neue Erfahrungen von Sicherheit.
Dafür habe ich ein kleines Freebie entwickelt:
„7 Schritte, die dein inneres Kind jetzt von dir braucht“
Es begleitet dich mit sanften Impulsen dabei, deinem Nervensystem mehr Sicherheit zu geben und wieder mehr Kontakt zu dir selbst zu finden.




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